Landsmannschaft der Donauschwaben in Baden-Württemberg e.V.

Ortsverband Albstadt

Sathmarer Schwaben

Von Helmut Berner
Ehem. Bundesvorsitzender der Sathmarer Schwaben

Die Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben, gegründet 1947 in Kempten im Allgäu, war stets darum bemüht, den Kontakt zu den im Sathmarland lebenden Landsleuten zu halten. Besondere Aufgaben kamen auf sie ab Anfang der 80-er Jahre zu, als immer mehr Menschen, vor allem Jugendliche, die Flucht und Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland wagten. Diesen musste bei ihrer Integration geholfen und die Hilfen für bedürftige Menschen der älteren Generation im Herkunftsgebiet fortgesetzt werden.
Als 1990 der Massenexodus begann, galt es in der landsmannschaftlichen Arbeit neue Prioritäten zu setzen: sowohl die in die Bundesrepublik ausgesiedelten Landsleute wie auch jene nachdrücklich zu unterstützen, die bis auf den heutigen Tag in Rumänien verblieben sind. Beiden galt und gilt es, in unterschiedlichster Form zu helfen. Einer der wichtigsten Schwerpunkte der landsmannschaftlichen Arbeit war und ist, Brücken zu den Landsleuten im Sathmarland und Nordsiebenbürgen zu schlagen, nach und nach auszubauen. Das geschah zunächst über die karitative Hilfe für bedürftige Menschen, deren Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten. Ab Januar 1990 hat die Landsmannschaft auch die Gründung und den Ausbau der Orts- und Kreisforen des demokratischen Forums der Deutschen vor Ort unterstützt und die inhaltliche Arbeit aufgenommen. Zu dieser gehörte unter anderem die Erstellung von Konzeptionen betreffend die Ankurbelung der Wirtschaft, Informations- und Beratungsgespräche mit Agronomingenieuren aus allen Ortschaften, in denen überwiegend Schwaben leben,aber auch mit Vertretern von Gemeinden, in denen neben Schwaben auch Rumänen und Ungarn leben. Es galt, ihnen allen die Hoffnungund die Kraft für einen Neuanfang, frei von Planwirtschaft zu geben, Brücken zwischen den Völkern dieser Region zu bauen. Diesen Maßnahmen folgten zahlreiche Hilfslieferungen und die ersten Fortbildungen zum Beispiel für Ärzte und Krankenschwestern sowie für Kindergärtnerinnen und Lehrer/innen künftiger deutschsprachiger Kindergärten und Schulen.
Im Sommer 1990 organisierte die Landsmannschaft das erste große grenzüberschreitende kulturelle Begegnungstreffen in der Kreisstadt Sathmar, in Zusammenarbeit mit der Präfektur, den Demokratischen Foren der Deutschen (DFD’s), der Bundesregierung und dem rumänischen Kulturministerium. Ab diesem Zeitpunkt setzte sie sich verstärkt für die Schaffung deutschsprachiger Kindergärten und Schulen und deren Versorgung mit Lehrkräften und Lehrbüchern ein, für die Gründung von Bibliotheken und die Einführung von Sprachkursen für die, die an der deutschen Sprache und Kultur interessiert waren. Da zu jenem Zeitpunkt nur noch in einer Kirche deutschsprachige Gottesdienste abgehalten wurden, führte die Landsmannschaft Gespräche mit den Bischöfen der Diözese Sathmar(Bischof Pal Reizer) und der Diözese Großwardein (Bischof Josef Tempffl) zwecks Einführung von deutschsprachigen Gottesdiensten in jenen schwäbischen Gemeinden, in denen dies gewünscht wurde. Der Initiative der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben ist die Gründung der Sathmarer Stiftung für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit zu verdanken. Diese nahm ihre Arbeit bereits im Herbst 1991 auf, als mit Hilfe der Bundesregierung die ersten landwirtschaftlichen Projekte umgesetzt wurden. Die Tatsache, dass es zur Zeit im Sathmarland weit über fünfhundert mittelständische und handwerkliche Betriebe gibt, die überwiegend mit Bundesmitteln ausgestattet worden sind und mehr als dreitausend Arbeitsplätze vor allem im ländlichen Gebiet geschaffen worden sind, spricht für den Einsatz der Landsmannschaft und deren gute Zusammenarbeit mit den DFD’s, aber auch den Präfekturen, den Industrie- und Handelskammern sowie Abgeordneten und Senatoren, dem Generalschulinspektorat und der Kulturdirektion des Kreises Satu Mare. Vor allem auf kulturellem Gebiet, bei der Pflege, Bewahrung, Präsentierung und Vermittlung des Kulturgutes der Sathmarschwaben und der Deutschen aus Nordsiebenbürgen wurde seit 1990 Beachtliches geleistet. Hierzu trugen neben kulturellen Veranstaltungen der Demokratischen Foren der Deutschen insbesondere die zweijährlich von der Landsmannschaft vorbereiteten und durchgeführten „Kulturellen Begegnungstreffen“ bei, die vom Deutschen Forum, bis 1996 auch von der Bundesregierung und immer von den rumänischen Behörden unterstützt worden sind. Diese großen Veranstaltungen fanden stets unter Mitwirkung deutscher, rumänischer und ungarischer Kulturgruppen statt, was den Zuspruch erklärt, deren sich diese Begegnungen bei allen Nationalitäten erfreuen.
Diese Treffen haben wesentlich zum Bekannt werden und zur Akzeptanz der kulturellen Traditionen der Deutschen des Sathmarlandes und Nordsiebenbürgens beigetragen! Sie haben auch Schule gemacht, denn seit 2000 finden in Sathmar alljährlich die „Sathmarer deutsche Kulturtage“ statt, die 1999 vom deutschen Konsul Jörg Rosenberg, dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft initiiert und nun vom Deutschen Forum alljährlich, unter Beteiligung namhafter Künstler, Politiker; Kulturschaffender, auch Jugendlicher durchgeführt werden. Im Mittelpunkt der grenzüberschreitenden kulturellen Maßnahmen der Landsmannschaft steht die Jugendarbeit im Herkunftsgebiet. So wurden 1996 mit Unterstützung der Foren zahlreiche Jugendverbände gegründet die eng auch mit den Jugendverbänden aus Siebenbürgen und dem Banat, ja selbst mit Jugendgruppen der Deutschen aus Ungarn und der Ukraine zusammenarbeiten.

1989 besuchten im Sathmarland und Nordsiebenbürgen nur noch etwa 300 Kinder eine deutschsprachige schulische Einrichtung, einschließlich Kindergärten. Bereits im Oktober 1993 waren 961 Schul- und 1.068 Kindergartenkinder zu verzeichnen, die am Unterricht deutschsprachiger Abteilungen in den Kreisen teilnahmen. Während die Zahl der Kindergartenkinder wegen der bis etwa 1995 anhaltenden Auswanderung vor allem junger Ehepaare aber auch wegen qualifizierter pädagogischer Kräfte geringfügig zurückging, besuchen zur Zeit 1.403 Schüler deutsche Allgemeine Schulen, Gymnasien und Lyzeen.
Das „deutsche Lyzeum“, wie es im Volksmund genannt wird, konnte nach vielen Verhandlungen und Vorsprachen nur Dank des Einsatzes der Landsmannschaft und der Foren, mit Unterstützung der rumänischen Regierung, des vormaligen Staatspräsidenten Constantinescu und des vormaligen Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung, Horst Waffenschmidt, eröffnet werden – was belegt, warum wir dieses Projekt als einen großen Erfolg bezeichnen; ein Erfolg auch des Bundesministeriums des Innern und des Patenlandes Baden-Württemberg.

Ebenfalls 1997 hat die Babes-Bolyai-Universität in Kausenburg/Cluj an der neu gegründeten Fakultät für Verwaltungswissenschaften auch eine deutschsprachige Abteilung ins Leben gerufen. Zu unseren grenzüberschreitenden Maßnahmen gehören unter anderem auch die seit 1991 jährlich durchgeführten Landschulheimaufenthalte für bedürftige Schüler, die deutschsprachige Schulen im Sathmarland und Nordsiebenbürgen besuchen, im Jugendheim Hohenegg des Landkreises Ravensburg. Gefördert wird diese Maßnahme inhaltlich und personell von der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben und finanziell von den Landkreisen Biberach und Ravensburg, die auch Patenkreise der Sathmarer Schwaben sind.