Landsmannschaft der Donauschwaben in Baden-Württemberg e.V.

Ortsverband Albstadt

Banater Schwaben

Die Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V.
Tradition und Zukunft zugleich verpflichtet

Von Bernhard Krastl
Ehem. Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben

Unter den Millionen Flüchtlingen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich auch viele Banater Schwaben, Menschen, die vor der heranrückenden Roten Armee aus der Heimat flohen. In den folgenden Jahren kamen viele entlassene Kriegsgefangene und ehemalige Zwangsarbeiter hinzu. Sie alle suchten in Deutschland Unterkunft,

Arbeit und eine Lebensperspektive. Diese Suche, verbunden mit dem Willen, den Landsleuten behilflich zu sein, setzte jene Antriebskräfte frei, die zum Aufbau einer eigenen Landsmannschaft führten. Die Gründung eines Verbandes der aus dem Banat stammenden Landsleute fand am 21. Mai 1950 in München statt. Er trug die offizielle Bezeichnung: Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Rumänien in Deutschland e.V.
Ein wichtiges Anliegen der neuen Organisation war die Einwirkung auf die Situation der Flüchtlinge und Kriegsgefangenen, die Klärung vermögensrechtlicher Fragen, die Familienzusammenführung und die Hilfestellung bei der Integration der Landsleute und deren kulturelle Betreuung. Auch die Herausgabe eines eigenen Informationsblattes wurde ins Auge gefasst. So kam es schließlich zur Gründung der „Banater Post“, die als vereinseigene Zeitung regelmäßig seit 1956 erscheint.

Die Bestrebungen der verschiedenen Vertriebenenorganisationen der Deutschen aus Südosteuropa, ihre Vereinsarbeit organisatorisch zu bündeln, fanden ihren Niederschlag in der Gründung des „Bundes Donauschwäbischer Landsmannschaften“ am 28. Februar 1959. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben trat diesem Bund bei, ohne jedoch auf ihre Eigenständigkeit zu verzichten.
Aus einem Zusammenschluss von einigen hundert Landsleuten ist im Laufe der Jahrzehnte ein Verband herangewachsen mit über 17.000 Mitgliedschaften. Die „Landsmannschaft der Banater Schwaben e. V.“ gliedert sich heute in 8 Landesverbände (Baden-Württemberg, Bayern,
Berlin-Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland) und 67 Kreisverbände. Entsprechend den Vorgaben der Satzung sind rund 110 Heimatortsgemeinschaften in die Landsmannschaft eingegliedert.

Den Status eines eingegliederten Verbandes hat auch die „Deutsche Banater Jugend“ (DBJ). Diese Organisation besteht seit 1986. Die Notwendigkeit der Gründung eines Jugendverbandes innerhalb der Landsmannschaft ergab sich aus der Tatsache, dass in zahlreichen Kreisverbänden Jugendgruppen tätig waren, deren Arbeit bundesweit koordiniert werden sollte. Die Aufgaben, denen sich der junge Verband damals zu stellen hatte, waren vielfältig:
Sie reichten vom sozialen Engagement innerhalb der Bemühungen um die Eingliederung junger Landsleute oder der Hilfeleistungen ins Banat bis hin zur Mitgestaltung der Öffentlichkeitsarbeit in heimatpolitischen Veranstaltungen der Landsmannschaft. Im Vordergrund allerdings stand die musisch-gestalterische Kulturarbeit. Aber auch im Bereich sportlicher Betätigung und sinnvoller Freizeitgestaltung sollten Erwartungen, die sich aus dem Selbstverständnis der Gepflogenheiten im Banat herleiteten, nicht enttäuscht werden. Diesen Zielsetzungen ist der Jugendverband bis heute treu geblieben.

Die Vereinigungen der Landsleute nach dem Herkunftsort (Heimatortsgemeinschaft, HOG) sind bestrebt, den Zusammenhalt zwischen diesen Landsleuten aufrecht zu erhalten und einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Geschichte und Kultur der einzelnen Orte nicht in Vergessenheit gerät. Beachtlich ist der Beitrag der HOG bei der Herausgabe von Ortschroniken, Familienbüchern und anderen Dokumentationen über die einzelnen Banater Ortschaften. Nicht zuletzt sind die HOG besonders bei der Erhaltung und Renovierung von Kirchen, Friedhöfen und anderen Kulturgütern in der alten Heimat beteiligt. Die von ihnen geleistete Arbeit hat eine wichtige Länder übergreifende Brückenfunktion und erfreut sich einer hohen Akzeptanz.

Eng mit der Landsmannschaft arbeiten auch eine Reihe anderer Organisationen zusammen, deren Vorstände im „Erweiterten Bundesvorstand der Landsmannschaft“ mitwirken. Diesem beratenden Gremium gehören unter anderen an: das Hilfswerk der Banater Schwaben, der Heimatverband der Banater Berglanddeutschen, die Vereinigung Banater Heilberufler, der Verein Deutscher Agraringenieure aus dem Banat und Siebenbürgen, der Arbeitskreis Donauschwäbischer Familienforscher, der Verband der Banater Schwaben in Österreich und das Demokratische Forum der Deutschen im Banat.

Beachtliche Impulse für die Verbandsarbeit brachte die Übernahme der Patenschaft des Saarlandes über die Landsmannschaft der Banater Schwaben am 9. Dezember 1967. Seit 27. November 1965 besteht bereits die Patenschaft des Landes Baden-Württemberg über alle Donauschwaben. Aus Patenschaftsmitteln wird jährlich der Donauschwäbische Kulturpreis gestiftet. Die Patenschaft des Saarlandes über die Landsmannschaft der Banater Schwaben wurde am Heimattag 1998
im feierlichen Rahmen dem Land Baden-Württemberg übertragen. Die Patenschaft der Stadt Ulm über die Landsmannschaft der Banater Schwaben wurde 1999 aus der Taufe gehoben.

Zwei weitere Patenschaften spielen im Verbandsleben eine bedeutende Rolle: die Patenschaft der Stadt Ingolstadt über die Banater Schwaben in Bayern (seit 1987) und die der Stadt Göppingen über die Banater Schwaben in Baden-Württemberg (1989).
In den von der Stadt Ulm im Rahmen der Patenschaft in der Donaubastion der Landsmannschaft der Banater Schwaben zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten hat unser Verband 1999 die Möglichkeit erhalten, ein Kultur- und Dokumentationszentrum einzurichten, für dessen Zustandekommen sich Altbundesvorsitzender Jakob Laub besonders eingesetzt hat. In diesem Zentrum werden schriftliche, bildliche und dingliche Zeugnisse über Entstehung und Entwicklung unserer Volksgruppe aus allen Bereichen im Banat und in der Bundesrepublik bis in die heutige Zeit sowie geistiges Kulturgut gesammelt, aufbewahrt und der Forschung zugänglich gemacht. Darüber hinaus ist das Zentrum eine Stätte der Begegnung für gemeinsame Bemühungen beim Museum der Erhaltung und Pflege unseres Kulturerbes.
Eine Einrichtung der Landsmannschaft, die sich schwerpunktmäßig mit der Bewahrung dinglicher Brauchtumswerte befasst, ist das 1987 in Würzburg gegründete Banater Brauchtums- und Trachtenpuppenmuseum. Diese Einrichtung beherbergt Originaltrachten, Möbel- und Gebrauchsgegenstände aus Haus und Hof sowie rund hundert Puppenpaare mit für die Mehrheit der Banater Dörfer typischen Trachten.

Die Arbeit in den ersten vier Jahrzehnten des Bestehens der Landsmannschaft der Banater Schwaben war im Wesentlichen geprägt durch die Familienzusammenführung, die Aussiedlung aus dem Banat und die Integration der Landsleute in die neue Heimat Deutschland. Eine entscheidende Zäsur für die Existenz der Volksgruppe der Banater Schwaben und einen maßgeblichen Einschnitt in die Entwicklung der Landsmannschaft brachte die politische Wende Ende des Jahres 1989 in Rumänien mit sich. Mit dem Sturz der kommunistischen Diktatur entwickeltsich die ohnehin in den achtziger Jahren zu einem Massenphänomen gewordene Auswanderung der Banater Schwaben zu einem richtigen Exodus. Allein im Jahre 1990 kamen über 50 000 Landsleute
in die Bundesrepublik. Die Entscheidung zur Ausreise nach Deutschland trafen letztendlich schätzungsweise über 90 Prozent der Banater Schwaben.
Sich auf diese neue Situation einzustellen, bedeutete auch für die Landsmannschaft eine gewaltige Herausforderung. Schwerpunktmäßig war das Wirken des Verbandes einerseits von der Solidarität für die Aussiedler und gleichzeitig auch von der Fürsorge für die im Banat verbliebenen Landsleute geprägt. Letztere wird hauptsächlich durch die Tätigkeit des „Hilfswerks der Banater Schwaben“ gewährleistet. Aus der Umbruchsituation zu Beginn der neunziger Jahre, ausgelöst durch die politische Wende in Osteuropa, die Wiederherstellung der deutschen Einheit und den sich fortsetzenden Zustrom von Aussiedlern nach Deutschland, ergibt sich auch für die Arbeit im Verband eine Reihe neuer Aufgaben, denen sich die einzelnen Gliederungen der Landsmannschaft unverzüglich stellen. Als Prioritäten der Verbandsarbeit gelten 1991: Hilfestellung bei der Integration der Aussiedler, Unterstützung der deutschen Minderheit im Banat sowie die Intensivierung der Verbandsarbeit im Rahmen der landsmannschaftlichen Gliederungen.

Eine eingehende Aufarbeitung des Banater Kulturerbes, der Darstellung der Leistungen der Banater Schwaben auf allen Gebieten und die Pflege der Tradition wird in den neunziger Jahren entscheidend durch die Förderung seitens des Bundesministeriums des Innern gewährleistet. Die vom Kulturreferat in den letzten zehn Jahren organisierten Ausstellungen, Seminare, Tagungen und Veranstaltungen verschiedenster Art wurden von der breiten Öffentlichkeit gut aufgenommen
und standen im Zeichen der Traditionspflege und Einbringung der Banater Leistungen in die Gesamtkultur Deutschlands. Im Bereich der Kulturarbeit kann ab 1991 von Jahren der Höchstleistung gesprochen werden. Das Angebot umfasste Jugendseminare und Tagungen zu den verschiedensten Themen wie Literatur, Geschichte, Brauchtum, Mundart, Presse, moderne Kommunikation, Theater und Musik, Chorwettbewerbe, Brauchtumsabende, Ausstellungen, Konzerte
und Vorträge.
Die Kulturarbeit erlangte in den beiden letzten Jahrzehnten einen besonderen Stellenwert im Gesamtkontext der landsmannschaftlichen Verbandstätigkeit. Neben den zahlreichen Buchveröffentlichungen durch die einzelnen Heimatortsgemeinschaften (in erster Linie Ortsmonographien) verdient das Projekt des Bundesvorstandes „Das Banat und die Banater Schwaben“ besonders erwähnt zu werden. Dazu gehören die ersten vier großformatigen Bände der Buchreihe (Kirchen und kirchliche Einrichtungen, Leidensweg der Banater Schwaben, Trachten und Brauchtum, Schule und kulturelle Kultureinrichtungen). Einer großen
Verbreitung erfreute sich der von der Landsmannschaft 1988 herausgebrachte Bildband „Banater Bilder – Land und Leute“, die ab 1993 editierten Banater Wandkalender, die Buchreihe „Banater Bibliothek“ (in Zusammenarbeit mit dem Kulturverband der Banater Deutschen) sowie Bücher zur Russland- und Baragandeportation der Banater Schwaben und andere.
Ausgehend von der gegenwärtigen politischen Lage in Europa, die geprägt ist vom Näherrücken der Länder und Völker, hat auch die Landsmannschaft der Banater Schwaben in ihrer Zielfestlegung neue Akzente gesetzt. Mit der Übernahme einer Mittlerrolle zwischen Deutschland und dem Herkunftsgebiet kommen auf die Landsmannschaft der Banater Schwaben neue Aufgaben zu. Diese zu erfüllen, betrachtet der Verband als Verwirklichung der in der Charta der deutschen
Heimatvertrieben festgehaltenen Verpflichtungen. Die Banater Schwaben erachten es als ihre Pflicht, am gemeinsamen Haus Europa mitzubauen, denn nur so ist gewährleistet, dass ihre Interessen auch künftig Gehör finden.